Die gesunde und abwechlungsreiche Ernährung von Sittichen

 Die Ernährung ist einer der "Grundpfeiler" für die Gesundheit unserer Sittiche. Ihre Bedeutung wird in der Vogelhaltung leider meistens noch immer grundlegend unterschätzt. Viele Krankheiten sind (auch) auf die Ernährung zurückzuführen!

Bitte beachten Sie die Übersichtstabelle am Ende der Seite mit weiterführenden Links zum Thema.
 

1. Das Grundfutter

Die Körnermischung
Das Grundfutter in den meisten Vogelhaushalten ist trockenes Körnerfutter. Heutztage gibt es verschiedenste Angebote von Körnerfutter. Es gibt verschiedenste Arten von

  • Wellensittichfutter
  • Großsittichfutter
  • Neophemenfutter (für Grassittiche, Bourkesittiche)
  • "Volierenmischung" (für die kombinierte Haltung von Sittichen und Kanarien)
  • Papageienfutter (für große Großsitticharten (ergänzend) geeignet)
mit und ohne Sonnenblumenkerne, Erdnüssen, getrockneten Früchten mit Bezeichnungen wie Basis, Züchter, light, premium, spezial usw. zu verschiedenen Preisen.
 

Beispiele für Körnermischungen (Fa. Versele Laga):
 
Wellensittichfutter

Wellensittichfutter - Basis

Zusammensetzung:
47% Platahirse
30% Silberhirse
12% Kanariensaat
6% Rote Hirse
5% Haferkerne

Großsittichfutter, Nymphensittichfutter

Großsittichfutter mit Sonnenblumenkernen

Zusammensetzung:
20 % Platahirse 
15 % Gestreifte Sonnenblumenkerne
12,5 % Silberhirse 
12 % Kanariensaat 
7,5 % Weiße Sonnenblumenkerne
7,5 % Haferkerne
7,5 % Kardi
5 % Buchweizen
3 % Paddy Reis
3 % Leinsamen
3 % Japanhirse
3 %  Hanfsaat
1 % Nigersamen

Neophemamischung, Neophemenfutter, Körnermischung für Neophemen (Grassittiche und Bourkesittiche)

Neophemenfutter

Zusammensetzung:
30 % Silberhirse
24,5 % Kanariensaat
11 %  Platahirse
9 % Haferkerne
6 % Japanhirse
5 % Hanf
4,5 % Buchweizen
4 % Negersaat (Nigersamen)
4 % Leinsamen
2 % Kardi

Die Sonnenblumenkerne im Großsittichfutterbeispiel machen einen Anteil von 22,5 % aus. Dazu kommt das ähnlich fetthaltigen Kardi, zusammen dann 30%. Das ist für die Innenhaltung, vielleicht noch mit vergleichsweise wenig Bewegung / Freiflug, für viele Großsittiche zu viel, besonders weil die Sonnenblumenkerne oft bevorzugt aufgenommen werden. Wenn überhaupt Futter mit Sonnenblumenkernen gefüttert werden soll empfiehlt es sich meistens, das Futter mit weiteren Sämereien wie z.B. Hirse anzureichern oder das Futter zur Hälfte mit Wellensittichfutter zu mischen.
 

Dann hört man von immer mehr Sittichhaltern, die sich ihre Körnermischung komplett aus Einzelsaaten zusammenmischen oder eine Mischung mit weiteren Sämereien, Trockenfrüchten oder Kräutern anreichern.

Da wird es manchmal schwierig die Übersicht zu bewahren, besonders für Anfänger in der Sittichhaltung.
 

Meiden Sie möglichst Körnermischungen mit:

  • Sonnenblumenkernen
  • Erdnüssen
  • Trockenfrüchten
  • sehr viel Kardi


Sonnenblumenkerne und Erdnüsse mit Schale gelten als häufigste Ursache der Krankheit Aspergillose, weil sie leider häufig überdurchschnittlich mit Schimmelpilzen belastet sind. Immer mehr Halter steigen auf geschälte (Bio-)Sonnenblumenkerne um, die für den menschlichen Verzehr gedacht sind, da diese besser gelagert und kontrolliert werden.

Erdnüsse
sind sowohl in der tierischen als auch der menschlichen Ernährung ein Problem, da bei Untersuchungen immer wieder Schimmelpilze gefunden werden. Besonders betroffen ist die Schale, deshalb wird häufig empfohlen ungeschälte Erdnüsse zu verfüttern. Ich selbst verzichte ganz darauf. Bei der Sittichhaltung spielen Erdnüsse eigentlich keine so große Rolle wie z.B. in der Papageienhaltung, deshalb ist es meiner Meinung nach kein Nachteil für Sittiche, wenn sie keine Erdnüsse bekommen.

Trockenfrüchte
sollten immer ungeschwefelt sein! Trockenfrüchte sollen in Körnermischungen ebenfalls Schimmelpilze verursachen können. Es ist deshalb vermutlich empfehlenswerter ungeschwefelte Trockenfrüchte extra zu kaufen und in einem extra Napf anzubieten oder dem Körnerfutter in Maßen täglich frisch beizumischen. Trockenfrüchte sollten bei Pilzerkrankungen und Going-Light-Syndrom (GLS, "Megabakterien") nicht angeboten werden, da der enthaltene Fruchtzucker das Pilzwachstum unterstützt. 

Kardi
ist ähnlich fetthaltig wie Sonnenblumenkerne. Körnermischungen mit sehr viel Kardi sind also sehr fetthaltig und können schnell dickmachen, besonders wenn weitere "Dickmacher" wie z.B. Kräcker angeboten werden. Körnermischungen mit wenig Kardi sind auch abwechslungsreicher für die Vögel.
 

MonoProp® gegen Schimmelpilz
MonoProp® ist ein chemisches Pulver (zu 50% aus Monopropionsäure bestehend). Es gibt das gleiche Produkt unter dem Namen Multiprop.
MonoProp® wird in das trockene Körnerfutter gemischt und tötet die Pilze ab. Dies wurde auch durch Studien der Universität München bestätigt.

Ich kenne leider keine Langzeitstudien zur Wirkung auf den Vogelorganismus, deshalb erwähne ich es der Vollständigkeit halber. Es steht im Verdacht bei Ratten Krebs auslösen zu können, aber man kann Säugetiere und Vögel schlecht miteinander vergleichen. Es gilt heutzutage als nicht toxisch bei Vögeln.
Ausführliche Informationen zum MonoProp®
 

Weshalb sind die Pilze überhaupt so ein Problem?
Natürlich finden sich Pilze nicht nur im Futter, sondern auch in der Luft, in der Einstreu, in Wänden usw. Unsere Sittiche sind immer einer gewissen Pilzbelastung ausgesetzt. Das ist normalerweise auch kein Problem, wenn das Immunsystem stabil ist. Meiner Meinung nach sollte man dennoch immer versuchen die Belastung so gering wie möglich zu halten, also häufig lüften und das Risiko zusätzlicher Pilzbelastung über das Futter wenigstens etwas zu verringern. Besonders bei kranken Vögeln mit geschwächtem Immunsystem ist dies zu beachten.

Krankheiten, aber auch im Alter und bei Stress wird das Immunsystem geschwächt und anfälliger für Krankheitserreger. Aspergillose kommt leider nicht so selten vor, dass man diesen Aspekt vernachlässigen sollte. Ganz im Gegenteil, wenn man bedenkt, dass Pilze und deren giftige Stoffwechselprodukte (Mycotoxine) im ganzen Vogelkörper Schäden anrichten können, sollte man unter anderem auf die Qualität des Futters ganz besonders achten.
 
 

Von folgenden Faktoren hängt die Zusammensetzung "Ihrer" Körnermischung ab:

  • von der Vogelart, die Sie halten
  • bzw. von der Zusammensetzung, wenn Sie mehrere Arten halten
  • vom Alter
  • vom Gesundheitszustand
  • von der Größe der Voliere bzw. dem Freiflugangebot, also der Bewegung Ihrer Sittiche
  • Innenhaltung oder Außenhaltung
  • von Ihrem Gesundheitsbewusstsein (z.B. Vermeiden von Sonnenblumenkernen, Erdnüssen, Trockenfrüchten in der Körnermischung)
Kleine Sitticharten
sind mit einer Basismischung, der weitere Sämereien wie z.B. Wildsamen, Unkrautsamen oder verschiedene Grassamenarten zugesetzt werden, im Normfall gut bedient. Einige Sittichhalter mischen der Basismischung weitere Silberhirse zu, weil die Qualität dadurch noch steigt.

Grassittiche und Bourkesittiche
Für diese Arten gibt es extra Neophemenfutter ohne Sonnenblumenkerne und mit weniger Kardi als Großsittichfuttermischungen ohne Sonnenblumenkerne. Man kann auch diese Mischung natürlich mit weiteren Sämereien, Trockenfrüchten, Kräutern usw. anreichern.

Großsittiche
Hier reicht im Prinzip eine Großsittichmischung ohne Sonnenblumenkerne. Je nach Sittichgröße kann man verschiedene Sämereien wie z.B. Sonnenblumenkerne (für alle Großsittiche) oder Kürbiskerne (für große Großsitticharten), Wildsamen, Silberhirse, Grassamen oder anderes hinzumischen.

Kleine Sittiche und Großsittiche in einer Voliere
Hier kann man z.B. Großsittichfutter zur Hälfte mit Wellensittichfutter anreichern und kleine Sämereien (z.B. Silberhirse, Wildsamen) hinzufügen.
Alternativ kann man auch Neophemenfutter nehmen und mit weiteren Sämereien wie wenigen Sonnenblumenkernen, Hirse, Wildsamen, Grassamen anreichern.

Sittiche und Kanarien in einer Voliere
Diese Vergesellschaftung halte ich von der Fütterung her für schwierig, da Sittiche relativ fettarmes Körnerfutter und Kanarien fettreiches Futter bekommen. Hier muss man sehr aufpassen, dass die Sittiche nicht zu dick werden, gerade bei Innenhaltung.

Für übergewichtige Vögel gibt es verschiedene "light"-Mischungen mit wenigen fettreichen Saaten. Diese sollte man nicht mit Wildsamen oder Unkrautsamen anreichern, weil diese recht fetthaltig sind. Auch auf Trockenfrüchte sollte dann erstmal verzichtet werden, besser sind frisches Obst, Gemüse, Keimfutter.

Wenn Sie selbst (noch) nicht selbst mischen möchten gibt es verschiedene Angebote in Online-Shops, in denen Sie entsprechende Mischungen bereits fertig kaufen können.
Selbst mischen kann aber auch Spaß machen und man hat den Vorteil, dass man die Mischungen schnell den Bedürfnissen der Vögel anpassen kann (mehr oder weniger gehaltvoll) und das Futter für die Vögel abwechslungsreicher gestalten kann.
 

Vögel in der Außenvoliere
Der Anteil fettreicher Saaten kann im Winter in Außenvolieren erhöht werden, da die Vögel mehr Energie aufwenden müssen, um die Körpertemperatur zu halten.
Aus diesem Grund reichern einige Züchter das Futter im Winter mit Hanf an, allerdings fördert Hanf den Bruttrieb, was im Winter in Außenvolieren oft nicht erwünscht ist. Außerdem kann es durch den gesteigerten Bruttrieb bei einigen Sitticharten vermehrt zu Aggressionen kommen. Hanf sollte daher nur in Maßen gegeben werden.  Eine Übersicht über fettreiche und andere Saaten finden Sie hier.
 

Woran erkennt man die Qualität einer Körnermischung?

  • am Aussehen (frisch, nicht staubend)
  • am Geruch (frisch, fast geruchslos)
  • an den Zusätzen (Zusätze wie Vitamine, Bäckereinebenerzeugnisse usw. sind überflüssig, Zusätze jeglicher Art am besten vermeiden)
  • an der Keimfähigkeit (Keimtest: wenn ca. 90% der Körner keimen bedeutet es eine gute Futterqualität, wenn deutlich weniger Körner keimen sollte das Futter entsorgt werden)


Es empfiehlt sich Körnerfutter von guter Qualität zu kaufen und hier nicht am Geld zu sparen. Bei den von Kunden gemachten Tests waren z.B. die Körnermischungen von Versele Laga und die Fressnapf-Marke Fit und Fun schimmelpilzfrei.
 

Körnerfutter darf folgendes nicht beinhalten und sollte dann auf gar keinen Fall verfüttert werden:


Wenn Sie etwas hiervon im Körnerfutter finden sollten Sie es umgehend entsorgen bzw. reklamieren und auf gar keinen Fall verfüttern. 

Diese Beispiele sind keineswegs so unwahrscheinlich wie sie vielleicht zunächst klingen - viele Halter kennen die weißen Gespinste im Körnerfutter, schlecht riechendes Futter oder die gelben Larven, die auch mal im Zoohandel auf den Körnerpackungen herumkriechen. Ich hatte in all den Jahren bei verschiedenen Anbietern, auch bei denen, die groß mit ihrer Lagerung werben und damit ihre sehr hohen Preise begründen, bereits alles durch, von Motten über Käfer bis hin zu Mäusekot. Überhöhte Preise garantieren also leider keine Qualität.
 

Wie lagert man Futter am besten?
Wichtig ist die richtige Lagerung von Futter, da es bei falscher Aufbewahrung schimmeln oder ranzig werden kann. Das wiederum verursacht Krankheiten.
Körnerfutter sollte nicht in zu großen Vorräten gekauft werden und möglichst trocken und kühl (d.h. vor direktem Sonnenlicht oder Sommerhitze geschützt, z.B. im Keller, kein Kühlschrank) gelagert werden. Gerade im Sommer empfiehlt es sich, einen Teil des Futters in Behältern aufzubewahren (die Experten streiten noch, ob luftdicht verschlossen oder luftig gelagert) oder einzufrieren.
Halbreife Sämereien und halbreife Maiskolben können frisch verfüttert werden und eignen sich auch zum Einfrieren.
Keimfutter muss sofort verfüttert werden.
Obst, Gemüse und Grünfutter sollten frisch gegeben werden.
Beeren können frisch gegeben werden. Sie eignen sich aber auch zum Einfrieren.
 

Fütterungszeitpunkt:
Papageienvögel nehmen im Freiland normalerweise zweimal täglich Nahrung auf, nämlich morgens und am frühen Abend. Sittiche können deshalb zweimal am Tag gefüttert werden (die Tagesration wird entsprechend aufgeteilt).
 
 

Obst, Gemüse, Grünfutter, Beeren, Kräuter, Zweige
Die immer noch recht weit verbreitete Meinung, eine Körnermischung und ab und zu ein Stück Obst wären als Ernährung ausreichend, ist vollkommen falsch. 
Auch wenn sich einige Körnermischungen "Alleinfutter" nennen, reichen sie bei weitem nicht aus, um die Sittiche mit allen lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Dazu kommt, dass ein abwechlungsreicheres Futter und die Beschäftigung mit diesem Futter von vielen Sittichen sehr geschätzt werden. Es geht also nicht nur um die reine Nahrungsversorgung. Wer von uns will schon jeden Tag das gleiche essen? 

Obst, Gemüse, Grünfutter müssen jeden Tag zusätzlich angeboten werden, um einem Vitamin- und Mineralstoffmangel vorzubeugen und auch um etwas Abwechslung und Beschäftigung zu bieten. Beeren, Gräser, Kräuter und auch frische Knabberzweige bieten weiter Abwechslung.

Die häufigsten Fragen hierzu haben aufgrund der Ausführlichkeit eigene Seiten bekommen:


Nicht gegeben werden dürfen u.a.:
- rohe Kartoffeln
- Avocado (giftig für Sittiche und Papageien)
- Petersilie bei Unverträglichkeit (ich habe mit der Sorte Mooskrause bislang nur gute Erfahrungen gemacht)
- geschwefeltes Dörrobst
- Holunder (unreife Beeren, Blätter, frische Rinde), reife Beeren sind erlaubt
 
 

Die richtige Diät bei Übergewicht (Adipositas) und anderen Erkrankungen
Es kommt vor, dass übergewichtige Sittiche eine Diät brauchen.
Dann hilft es wenig die Sittiche auf "FDH" zu setzen, zumal das in einer Sittichgruppe auch schwierig wird. Es empfiehlt sich dann, Kräcker, Bisquits usw. komplett wegzulassen und eventuell die Körnermischung etwas anzupassen.

Tipps für die richtige Diät bei Übergewicht finden Sie hier.
 

Diätetische Maßnahmen müssen auch bei einigen Erkrankungen getroffen werden. So muss z.B. ein nierenkranker Vogel anders ernährt werden als ein Vogel mit einer Kropfentzündung. Ein abgemagerter Sittich muss aufgepäppelt und anders ernährt werden als ein gesunder Sittich.

Hier habe ich verschiedene Ernährungsempfehlungen bei Krankheiten zusammenstellt.
 
 
 

2. Nahrungsergänzungen

Nährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Proteine, Spurenelemente) und Vitamin-Mineralstoff-Präparate

Vitamine werden normalerweise über das Obst und die anderen oben genannten Futtermittel aufgenommen. 

Viel zu häufig reicht die Gabe von Obst und Gemüse allerdings nicht aus, weil viele Sittiche zu wenig Obst und Gemüse fressen (besonders wenn es weitere Leckereien wie z.B. Kräcker gibt) und Obst usw. heutzutage angeblich auch weniger Vitamine enthalten als noch vor ein paar Jahren. Bei Sittichen, die wenig Obst, Gemüse oder Grünfutter fressen oder regelrechte "Obstverweigerer" sind sollte deshalb ein entsprechendes Präparat gegeben werden, das Vitamine, bei Bedarf zusätzlich auch Mineralstoffe, Aminosäuren und Spurenelemente enthält. Diese Präparate gibt es im Handel als Lösung oder in Pulverform. Die Pulverform hat sich oft mehr bewährt, weil einige Sittiche zu wenig trinken oder ihr Trinkwasser verweigern, wenn es plötzlich aufgrund des zugesetzten Präparats anders schmeckt.

Bei der Gabe von Vitaminpräparaten muss die Dosierungsanleitung unbedingt eingehalten werden! Sonst kann es bei einer Überdosierung fettlöslicher Vitamine zu Problemen kommen.
 

Mineralstoffe sollten in Form von Kalkstein, Sand, Gritstein, Grit, Magensteinchen und Mineralstoffpräperaten ständig zur Verfügung stehen. Häufig werden auch Sepia-Schalen als Mineralstofflieferant angeboten. Meeresalgen / Spirulina können bei Bedarf zusätzlich angeboten werdden.

Ein Jod-Kalkstein sollte immer in der Voliere vorhanden sein. Trotzdem kann (muss nicht!) es zu Jodmangel kommen, wogegen zusätzliche Mineralstoffpräperate oder die mineralhaltigen Meeresalgen (Reformhaus, Zooläden) empfohlen werden. 
Außerdem empfiehlt es sich, zusätzlich einen Gritstein anzubieten, der die Verdauung sehr gut unterstützt. 
 
 
Der bekannteste und am weitesten verbreitete Gritstein wurde von Herrn Merkl produziert, deshalb wurde er auch "Merkl's Mineral-Menü" genannt. Heute werden die Gritsteine unter dem Namen "NatMin Mineralmenü" bzw. inzwischen unter "NatMin - Naturelle Mineralien" angeboten, es handelt sich um das Original-"Rezept". Rechts auf dem Foto sehen Sie die feine Version der "Merkl-Steine" als 500g und 250g Version. Ich biete diese Steine auch meinen Sittichen seit Jahren an.

Gritsteine gibt es auch von anderen Herstellern, allerdings in anderer Zusammensetzung und teilweise mit Inhaltsstoffen, auf die in der Tiernahrung besser verzichtet werden sollte.

Diese Steine sind normalerweise sehr beliebt bei den Sittichen und dienen sowohl der Beschäftigung als auch dem Abwetzen von Schnabel und Krallen. Einige meiner Sittiche schlafen auch auf diesen Steinen. 

Alternativ oder besser zusätzlich können loser Grit und Magensteinchen in einer Schale gegeben werden.

Merkls Mineralmenü, Mineralstein, Natmin Naturelle Mineralien

Auch Milchprodukte wie z.B. frischer fettarmer Joghurt oder fettarmer Quark enthalten viel Calcium, welches v.a. während der Brutphase (Eierschalenbildung) benötigt wird. Wenn Hennen viele Eier legen sollte zusätzliches Calcium in das Trinkwasser gegeben werden.

Zu der Sepiaschale (=Tintenfischschulp) gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Einige Fachleute schreiben der Sepiaschale ein höheres Legenotrisiko zu. Andere sind der Ansicht, dass sie vor dem Anbringen im Käfig etwa zwei Tage gewässert werden sollte, um ggf. schädliche Salze auszuwaschen, andere vernachlässigen dies. Es ist liegt also am Vogelhalter zu entscheiden, ob und wie er sie anbietet. Wässern bedeutet, die Sepiaschale etwa ein bis zwei Tage in lauwarmes Wasser zu legen und das Wasser alle paar Stunden zu wechseln.
Ich selbst biete seit Jahren keine Sepiaschale mehr an, stattdessen Grit, Magensteine, Mineralienpräparat bzw. Vitamin-Mineralienpräparat, Gritstein, Jodkalkstein und ich habe keine negativen Folgen an "Sepiamangel" feststellen können.
 

Sand
 ist als Nahrungsergänzung empfehlenswert, denn er regt die Verdauung an und enthält ebenfalls verschiedene Mineralien. Wenn andere Materialien als Bodenbelag verwendet werden, sollte Sand in einer extra Schale zur Verfügung stehen.
 

Keimfutter
Ergänzend kann gelegentlich Keimfutter angeboten werden. Hierbei sollten Sie allerdings gut aufpassen, dass es nicht schon verdorben ist, wenn Sie es anbieten (Geruchstest!). Die Herstellung von Keimfutter erfordert einige Übung. Keimfutter enthält mehr Nährstoffe als trockenes Körnerfutter und eignet sich außerdem bei einigen Krankheiten (z.B. Magen-Darm-Erkrankungen, Kropfentzündung) als Weichfutter.
 

Tierische Proteine
Auch tierische Proteine gehören meiner Meinung nach zum Grundfutter. In der Natur nehmen die meisten Sitticharten Insekten oder deren Larven auf. In der Vogelhaltung haben sich inzwischen Ersatzmittel wie Eifutter, getrocknete oder gefrorene Ameiseneier, Mehlwürmer oder Garnelen durchgesetzt, besonders bei Züchtern. Private Halter scheuen sich eher Ameiseneier, Mehlwürmer oder Garnelen im Haus anzubieten, sie weichen normalerweise auf Eifutter aus (einige Eifutter-Marken enthalten zusätzlich getrocknete Garnelen). Leider hat Eifutter inzwischen einen recht schlechten "Ruf", weil viele Halter zu häufig und zu viel Eifutter reichen und damit den Bruttrieb ihrer Sittiche fördern. In Maßen alle 1-2 Wochen gereicht sollte es allerdings keine Probleme geben.
Alternativ zum Eifutter können Sie ab und zu auch frischen fettarmen Magerjoghurt oder Magerquark ohne Geschmack oder Hüttenkäse anbieten.
 

Kolbenhirse, Rispenhirse, Gräser
Kolbenhirse, Rispenhirse, verschiedene Getreidearten an Rispen und Gräser sind wahre Leckerbissen für Sittiche. Sie dienen außerdem der Beschäftigung, weil die Sämereien erst aus den Rispen herausgeholt werden müssen. Dennoch sollten diese Nahrungsmittel nur als Leckerbissen zwischendurch angeboten werden, da sie sonst normalerweise bevorzugt gefressen werden und es so zu einer einseitigen Ernährung kommt, die ungesund ist. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung unter Vogelhaltern sind Kolbenhirse keine "Dickmacher" im eigentlichen Sinne, denn sie gehören zu den kohlenhydratreichen und nicht zu den fettreichen Saaten. Dennoch sind die Folgen oft ähnlich - da von den leckeren Kolben häufig mehr gefressen wird als vom normalen Körnerfutter und Obst etc. außerdem dann oft gerne links liegen gelassen werden können Sittiche durch die Kolben durchaus zunehmen. Auch hier gilt also: in Maßen füttern und bei zwei Sittichen vielleicht auch mal eine große Kolbenhirse in der Mitte teilen oder in drei Teile schneiden und auf 2-3 Tage verteilen.
 

Kräcker, Bisquits
Kräcker und Bisquits enthalten viele Kalorien und werden normalem Körnerfutter oder Obst etc. normalerweise bevorzugt. Deshalb sollten sie nur in Maßen angeboten werden.
Meiden Sie möglichst Kräcker, die Zucker enthalten. Zucker ist in vielen Nahrungsmitteln versteckt, z.B. auch in einigen Eifuttersorten, in verschiedenen Vitaminpräparaten, Lactobazillen und einigem mehr. 
Es gibt im Handel inzwischen auch zuckerfreie Kräcker, z.B. von der Firma Quiko. Am leckersten sind natürlich selbstgemachte Kräcker. Hier finden Sie Rezepte für selbstgebackene Kräcker.

Kräcker sollten grundsätzlich nicht gegeben werden, wenn
- ein Sittich krank ist, besonders nicht bei Pilzerkrankungen sowie beim Going-Light-Syndrom (GLS, "Megabakterien")
- wenn ein Sittich übergewichtig ist oder zu Übergewicht neigt
 

"Menschliche Nahrungsmittel"?
Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Vögel nichts vom Tisch bekommen. Die im Essen enthaltenen Stoffe (Salze, Zucker etc.) sind sehr ungesund und führen im günstigsten Fall "nur" zu übergewichtigen Sittichen. Bei regelmäßigem Verzehr sind Folgeerkrankungen (z.B. starker Juckreiz der Haut, Gicht, organische Krankheiten) vorprogrammiert.

Dennoch können auch Sittiche ab und zu verschiedene "menschliche" Nahrungsmittel bekommen. So z.B. verschiedene Milchprodukte wie frischer fettarmer Magerjoghurt, Quark, haltbare Sauermilchprodukte oder milder Käse. Sie enthalten Lactobazillen, die sich positiv auf die Darmflora auswirken, außerdem tierische Proteine, viel Calcium und Vitamin D. Der in der Milch enthaltene Milchzucker (Lactose) ist in diesen Produkten abgebaut, weshalb sie an Sittiche und Papageien, die aufgrund eines fehlenden Enzyms keinen Milchzucker verwerten können, problemlos verfüttert werden können (siehe auch Ernährungs-FAQ).
Ab und zu etwas milchfreier Babybrei schmeckt und hilft häufig bei der Gewöhnung an Obst.
 
 
 

3. Futtermotten / Lebensmittelmotten
Gelegentlich auch als Futtermittelmotten bezeichnet. Sie verderben das Körnerfutter bei Befall. Der Befall wird meistens durch das Verklumpen der Körner und weiße Gespinste, die an Spinnweben erinnern, sichtbar. Gelegentlich kann man auch Raupen im Körnerfutter herumkriechen sehen oder es fliegt einem beim Öffnen der Packung bereits ein fertiger Falter entgegen. Befallenes Futter muss entsorgt werden.

Mehr Informationen und Fotos finden Sie auf dieser Seite.
 


Übersichtstabelle für die Ernährung von Sittichen

Nahrung
Grundfutter:
Wellensittichkörnerfuttermischung
Großsittichkörnerfuttermischung
bei einigen Arten Waldvogelfutter ohne Rübsen (s. Arten-Lexikon)
Obst, Gemüse, Grünfutter, Beeren *
Keimfutter *
Grit und Magensteinchen
frische Zweige mit Blättern, Knospen und Blüten
 
 Informationen
 
jeweils zusätzlich mit Wildsamen angereichert
keine Erdnüsse*2
wenige Sonnenblumenkerne 
Futterpflanzen-Liste || Gewöhnung an Obst
Anleitung für Keimfutterherstellung
fördern die Verdauung, enthalten  Mineralien und Spurenelemente
Mineralien und Spurenelemente. Liste geeigneter Baumarten.
 
zwischendurch (ca. alle 1-2 Wochen): 
(nicht alles hier aufgeführte innerhalb einer Woche geben!)
frischer (!) Magerjoghurt *
frischer (!) Magerquark *
(gekeimte) Kolbenhirse *
wenig gekochter Reis *
wenig gekochte Nudeln
wenig gekochte Kartoffel (nie roh!!) *
Eifutter *
wenig milder Käse
etwas milchfreier (!) Babybrei
Bierhefe
Spirulina
 
Calcium, Lactobazillen, Vitamin D (Infos)
Calcium, Lactobazillen, Vitamin D (Infos)
rote oder gelbe Kolbenhirse, Silberhirse
ungesalzen!
ungesalzen, ohne Öl!
ungesalzen
u.a. tierische Proteine, Vitamin B12. Herstellung
Calcium, tierische Eiweiße
auch zur Gewöhnung an Obst bei Obstverweigerern 
natürlicher Lieferant von B-Vitaminen
natürlicher Lieferant von Eiweißen und Vitaminen
 
selten (monatlich):
Kräcker, Bisquits und Co.
etwas gekochtes Fleisch möglich
zu viel Zucker, künstliche Inhaltsstoffe, besser selbermachen! Auch die selbstgemachten nur in hin und wieder geben.
ungewürzt!
tabu:
giftige Futterpflanzen (Obst, Zweige, ...)
Milch
rohes Ei
rohes Fleisch
Schokolade, Chips, gewürzte Speisen, Alkohol, Kaffee, ...

 

 
Liste giftiger (Futter-) Pflanzen
Milchzucker kann nicht verwertet werden (Informationen)
Salmonellengefahr
Salmonellengefahr
gewürzte Speisen / Chips reizen Kropf- und Magen-Darmschleimhaut, zu viel Kochsalz oder Zucker ist ungesund.
Verfettung des Sittichs und Folgeerkrankungen wahrscheinlich
Mangelernährung Informationen über Folgen einseitiger Ernährung und Tipps zur Vermeidung von Mangelernährung
Diät Tipps für eine sinnvolle Diät
Ernährungs-FAQ Häufig gestellte Fragen zum Thema Ernährung
Vitamine Vitamine

* auch als Weichfutter bei einigen Krankheiten geeignet. Sittiche sollten frühzeitig daran gewöhnt werden, um im Krankheitsfall für sie unbekannte Nahrung nicht zu verweigern.

*2 häufig Auslöser für Pilzerkrankungen, z.B. Aspergillose. Wer ab und zu Erdnüsse als Leckerei geben möchte, sollte ungesalzene Nüsse aus Bio-Anbau bzw. in Lebensmittelqualität aus dem Supermarkt verwenden.
 

URL: http://www.sittich-info.de/ernaehrung/ernaehrung.html
Copyright © www.sittich-info.de
Bitte beachten Sie: Sämtliche Inhalte auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Die Übernahme von Bildern, Texten oder Textauszügen (auch leicht verändert) ist ohne vorherige Genehmigung und gut sichtbarem Verlinken der Quelle nicht gestattet. Text- und Bilddiebstahl werden rechtlich verfolgt.